IXSO biologische Natürlichkeit im falschen Kleid

Charlotte Hagera3 Marketing, Blog, Semiotik0 Comments

© ixso.eu

Schon vor Jahren hat das Getränk IXSO versucht, in den Markt einzudringen: Damals laut, schrill und extrem bunt in grün-orange. Seitdem hat es mehrere gescheiterte Packaging-Versuche hinter sich. Das Bio-Produkt wechselt zwar die „Kleider“, aber leider mit wenig Erfolg. Der aktuelle Versuch zeigt ein bewusstes Ausbrechen aus der Kategorie der Bio-Drinks. IXSO will ein Energy-Drink sein. Jedoch nehmen „Bio“ und „Energy“ zwei Positionen einen, die sich grundsätzlich auszuschließen scheinen.

Energy-Drinks haben wenig mit Natürlichkeit zu tun

Bei Energy-Drinks geht es vielmehr um die Funktionalität des schnellen Energiezugewinns – egal wie. Da nimmt der Konsument schon ein wenig Künstlichkeit in Kauf. Bio-Drinks bedienen eine ganz andere Zielgruppe. Dies sind Menschen, die auf ihren Körper achten und Energie nachhaltig zuführen. Es geht also nicht um das Jetzt, sondern mehr um das Danach. Für die Codes ein wesentlicher Unterschied.

Der Name „IXSO“ ist ein Kunstname

Der Name findet in der Realität keine Entsprechung. Auch phonetisch gibt es keinen Wirklichkeitsbezug. Nomen est omen: Ist der Name künstlich, wirkt sich das auf die Bedeutungsvermittlung in Bezug auf den Inhalt aus – auch, wenn der Inhalt „bio“ ist. Der Name wird kurz ausgesprochen – das „X“ wirkt hart. Es findet sich kein Nachklang, kein phonetischer Hinweis auf eine Dauerhaftigkeit in der Wirkung. Ganz im Gegenteil.

Das Konkurrenzprodukt INjU

Ein Konkurrenzprodukt von IXSO ist die noch junge Marke „INjU“. Ebenso biologisch, natürlich und energiespendend. Alleine der Name trägt das Wirkversprechen in sich: Phonetisch „in you“, es ist in dir, vermittelt die Wirkung und ihre Nachhaltigkeit. Auch im Auftreten von Logo und Packaging wird eine komplett andere Codierung eingesetzt: Die Farben und Formen der Natur werden verwendet, das Produkt wirkt weich und in sich stark.

inju.com

IXSO präsentiert sich in der Dose, INjU in der PET-Flasche. Beides hart diskutierte Gebindeformen, auf die hier nicht näher eingegangen wird. Nur so viel: Metall ist kalt und hart und macht knackende Geräusche beim Zusammendrücken. PET wirkt wärmer, weicher und wird vom Nutzer auch nicht zusammengedrückt. IXSO bedient viele männliche Codes, INjU eher weibliche.

Wie wichtig ist Packaging?

Das IXSO Packaging in schwarz und der Kunstname weisen auf Codes aus technischen Kategorien hin. Beispielsweise ist Motoröl in schwarz verpackt, die Namen lauten dann „Helix“, „Tronic“, „Bixxol“ etc. Energie für kraftvolle Motoren. Nicht unbedingt die Codes, die ein natürliches Getränk beschreiben sollten.

Die Codes der Verpackung

Sieht man sich die Form des IXSO Logos an, so vermittelt dies Künstlichkeit. Die linierte knallorange oder knallgrüne Linie rahmt den Namen des Getränkes ein. Das Logo wirkt wie am Reißbrett entworfen: symmetrisch, technisch und mechanisch. Die weiteren Textelemente auf der Dose sollen die wesentlichen – natürlichen – Informationen vermitteln. Die Natürlichkeit wird aber rein auf der geschriebenen Ebene transportiert. Der Betrachter kann das glauben oder nicht – dies ist immer ein Problem bei neuen Produkten am Markt.

Der erste Griff ins Regal kommt zustande, wenn die Codes der Packung die richtige Botschaft an das Unterbewusstsein des Betrachters senden. Der Konsument sollte nicht mehrere Interpretationsmöglichkeiten haben, sondern sofort erkennen, um was für ein Produkt es sich handelt.

Was ist die Botschaft von IXSO?

Die reduzierte Formengestalt wirkt distanziert. Die knalligen orangen und grünen Linien im Logo wirken künstlich und schrill. Die Blockbuchstaben in Name und den beiden Claims „aufregend natürlich“ und „erfrischend natürlich“ wirken aufdringlich, anstatt die Natürlichkeit zu betonen. Ausdrucks- und Inhaltsebene arbeiten in der Botschaft gegeneinander. Die Natürlichkeit kämpft auf rationalem Wege gegen die bildlich-emotionale Übermacht der Künstlichkeit.

Das matte Schwarz der Verpackung vermittelt eine Introvertiertheit des Produktes. Gleichzeitig wirken der Name und das Logo in den knalligen Farben schreiend und anbiedernd. In der Haptik punktet die Dose durch ihre etwas rauere und damit natürlichere Oberfläche im Gegensatz zu einer glatten.

Fazit

Das Bio-Getränk IXSO unternimmt den verzweifelten Versuch, aus seiner Produktkategorie auszubrechen und dennoch als Teil dieser erkannt zu werden. Leider wirkt das unglaubwürdig und irritierend. Dies zieht folglich das Problem der Platzierung im Handel nach sich. Es stellt sich die Frage nach den richtigen Zeichen für „natürliche Energie“. Dazu sind kulturelle und spezifische, die Produktkategorie betreffende, Insights notwendig – sonst bleibt das Produkt wohl leider ein Ladenhüter. Schade drum, denn Inhaltsstoffe und Geschmack wirken überzeugend.

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