FPÖ: Reinrassig & Echt, impliziter Rassismus

Charlotte HagerSemiotik, Werbung

Aktueller Aufreger: Das Wahlplakat der Freiheitlichen Bauernschaft für die Zielgruppe der Bauern.

Wahlkampf 2010, Freiheitliche Bauernschaft

Die Hauptakteuere in dem Wahlplakat: Alois Nußbaumer und eine Kuh. Die Kuh trägt ein Schild mit „Reinrassig & Echt“. Alois Nußbaumer lächelt und der Text unter ihm scheint sein Statement zu sein: „Heimische Landwirtschaft statt EU-Agrar-Knechtschaft“. Heimatverbundenheit und Echtheit sind die zentralen Themen. Auf der Zeichenebene wird keine andere Botschaft vermittelt, als dass die österreichische Landwirtschaft das Echte hervorbringt uns auch die Kühe so bleiben wie sie sind.

Auf der Tiefenebene schwingt aber auch mit, dass durch die EU eine Vermischung von Österreich mit anderen Ländern stattfindet – die Kuh ist keine Österreichische mehr. Es geht also nicht um die Kuhrasse an sich, die nicht vermischt werden soll, sondern um die heimische Kuh, die nicht mit anderen Kühen anderer Länder vermischt werden soll. Dieser „Rassebegriff“ ist uns aus unserer Geschichte bekannt und hier schließt sich der Bogen zu unserem kulturell geprägten Erfahrungshintergrund. Auch die Nazis wollten die Reinrassigkeit bewahren und keine Vermischung zulassen.

Das Wort Rasse stammt etymologisch betrachtet vom Wort „Ursprung“.

Die implizite Aussage des Werbeplakates lautet also: Nur was den gleichen Ursprung hat, ist echt. Es darf keine Vermischung der Rassen im Sinne der geografischen Vermischung geben.

Man keine Botschaften ohne den kulturellen Rahmen zu berücksichtigen äußern. Die Bedeutung der Botschaft entsteht aus der primären Information des konkreten Textes und Bildes und der sekundären Wirkung aus dem soziokulturellen Rahmen.

Die FPÖ spricht damit ihre Zielgruppe an, die sehr national verwurzelt sind und Fremdeinfluss vermeiden möchten. Das Wahlkampfziel ist aus Sicht der Partei ist erreicht: Mobilisierung der Wähler, aber auch der Nicht-Wähler und Ablehner aufgrund der intensiven Auseinandersetzung mit dem Sujet. Die Partei polarisiert und erreicht damit eine sehr starke emotionale Verankerung und Positionierung. Auf die Partei ist Verlass, sie spielt immer wieder mit subtilen Botschaften. Andere Parteien argumentieren, die FPÖ emotionalisiert.

Ihre Charlotte Hager von comrecon°